Transcription

Geschäftsbericht 2021ÖBB-Holding AGMiteinander.Zukunftv erbinden.HEUTE. FÜR MORGEN. FÜR UNS.

13/01Zwei Preise für ÖBBRail Cargo GroupMit Partnern entwickelte die RCGeine datenbasierte, automatisierteund intelligente Lokumlaufplanung.So können Stehzeiten, Leerfahrtenund vor allem CO2-Emissionen reduziert werden. Das Projekt wurdemit dem Staatspreis Consultingdes Wirtschaftsministeriums sowiedem Constantinus Award der WKOin der Kategorie Digitalisierung /Internet ausgezeichnet.21/01Strom ausSonnenenergie inOber österreich05/02Am Hauptbahnhof Wels hatdie ÖBB-Infrastruktur AG eineder ersten Fotovoltaikanlagenin Oberösterreich in Betriebgenommen. Weitere Anlagenfür die Stromerzeugung ausSonnenkraft sind geplant. DieÖBB sind damit klarer Vorreiterbei der Stromgewinnung ausSolarenergie.Klimafreundliche E-Bussefür südliches WeinviertelDie Österreichische Postbus AG erhielt im Rahmen des Vergabe verfahrens „Linienverkehr E-Bus Schweinbarther Kreuz“ des Verkehrs verbundes Ost- Region (VOR) den Zuschlag für die Abwicklung desLinienverkehrs mit Elektrobussen für zumindest acht Jahre. Der Betriebvon 1,3  Millionen Angebotskilometern startet im Sommer 2022 mitelf E-Bussen und 27  Postbus-Lenker:innen.10/02WienMobil: NeueStation am Westbahnhof eröffnetDie Wiener Linien erweiterndas Angebot am VerkehrsknotenWestbahnhof. Die WienMobil- Station verknüpft Sharingangebotemit den Öffis von Wiener Linienund ÖBB. Am Westbahnhof stehennun unter anderem Citybike,ÖBB Rail&Drive, E-Roller und Radabstellboxen zur Verfügung.16/03Studie: Bahnfahrenauch in Pandemiezeiten sicherDie Studie von Prof. Hans-PeterHutter zeigt, dass das COVID-19- Infektionsrisiko im öffentlichenVerkehr überraschend gering ist.Zurückgeführt wird das unteranderem auf die hohen Luftwechselraten durch Lüftungsanlagen.Natürlich ist auch die Einhaltungaller king: Hauptbahnhof Wien topDie internationale Verbraucherschutzorganisation Consumer Choice Center hat in ihrem European-Railway-Station-Index 2021 das Fahrgast erlebnis auf den 50 größten Bahnhöfen Europas bewertet und denWiener Hauptbahnhof auf Platz 2 der passagierfreundlichsten BahnhöfeEuropas gesetzt.Januar–März 2021

12/04Das war2021AusgearbeiteteTrasse für BrennerNordzulaufSmarte Mobilitätfür die letzte Meile, Fotovoltaikanlagen,mit dem Nightjet nach Paris JAHRESRÜCKBLICK.Ein weiterer zukunftstweisenderMeilenstein für die nördlicheZulaufstrecke des Brenner Basis tunnels (BBT) ist erreicht. DieÖBB und DB präsentieren nachumfassender Betrachtung derPlanung den Verlauf der Trasse fürdie Neubaustrecke der Eisen bahnim Raum Kufstein – Rosenheim fürdie Zulaufstrecke zum BBT.14/04Testen bis die Impfung kommt„Testen, testen, testen“ lautetedas Motto Mitte April 2021– auchbei den ÖBB. Wöchentlich wurdenbei den ÖBB österreichweit rund14.000 COVID-Testungen durchgeführt. Die ÖBB Mitarbeiter:innenhatten verteilt auf ganz Österreichin 33 Teststraßen die Möglichkeit,sich regelmäßig testen zu lassen.Zu ihrer eigenen Sicherheit und zurSicherheit der Fahrgäste.10/05Topmoderne neueÖBB LehrwerkstätteInnsbruck07/05Mit der modernen Lehrwerkstätteam Standort Innsbruck starteteine neue Ära in der Lehrlingsaus bildung. Auf rund 4.500 Quadratmetern wurde eine neue Ausbildungsstätte für Lehrlinge, eineTalenteschmiede mit modernstenAnlagen und mehr Platz für höchsten Ausbildungsstandard eröffnet.Smarte Mobilität fürWaidhofen an der YbbsMit der Bahn in die Arbeit, mit dem E-Scooter durch die Stadt odermit dem Mietauto zum Ausflugsziel – in der Bezirkshauptstadt wurdeein inno vatives Angebot für die erste und letzte Meile vorgestellt. Dieklima schonenden Sharingdienste im umweltfreundlichen 360-Grad- Radius der ÖBB ergänzen den öffentlichen Nah- und Regionalverkehr.02/06» Das bedeutet, die ÖBB ermöglichenihren Fahrgästen, auch die letzteMeile einfach zurückzulegen. Damitwird einfache, komfortable undklimafreundliche Mobilität abseits vonfixen Fahrplänen Realität.«ANDREAS MATTHÄ, CEO ÖBB-HOLDING AGApril–Juni 2021Bienen- &BlumenradelnDie ÖBB und die Radinitiative„Österreich radelt“ nutzen diewichtigen Thementage, um grüneMobilität, gepaart mit Artenvielfaltins Rampenlicht zu rücken: Beimgroßen „Bienen- & Blumenradeln“von 3. bis 5. Juni 2021 wurdefür die Bienen am Bahndammgestrampelt. Alle, die sich auf radelt.at registrierten, sammeltenfür Naturschutz und Artenvielfalt.» Fortsetzung im hinteren Umschlagteil

FinanzkennzahlenErtragskennzahlen nach IFRS (in Mio. EUR, gerundet)GesamterträgeAufwand für Material und bezogene LeistungenPersonalaufwandSonstiger betrieblicher AufwandEBITDAAbschreibungen (inkl. Wertminderungen)EBITFinanzergebnisEBTROCE (in 3.54923.1012.50312,710,0Bilanzkennzahlen nach IFRS (in Mio. EUR, gerundet)BilanzsummeLangfristige Vermögenswertedavon SachanlagenKurzfristige VermögenswerteEigenkapitalEigenkapitalquote (in %)FinanzverbindlichkeitenNet DebtInvestitionen bruttoNet Debt/EBITDA (Ratio)Net Gearing (Ratio)* Ohne abgehenden Geschäftsbereich.Highlights 202194,1 Mio. tGüter hat die ÖBB Rail Cargo Group im Jahr 2021 trans portiert. Dafür ist die RCG in Österreich und in 17 w eiterenLändern präsent, in zwölf davon ist sie in Eigentraktion unterwegs.18,2Mrd. Euro investieren die ÖBBbis 2027 im Auftrag des Bundes inmodernste und leistungsfähigeBahn infrastruktur.41.898322,9 Mio.Mitarbeiter:innen waren 2021 bei den ÖBB beschäftigt(Stand 31.12.2021). Zusätzlich waren 1.775 Lehrlingein Ausbildung sowie 222 weitere über die Allgemeine Privatstiftung für berufliche Bildung.Fahrgäste haben 2021 die Mobilitätsdienste der ÖBBgenutzt, davon 163,2 Mio. in den Zügen des Nahverkehrs,24,4  Mio. im Fernverkehr und 135,3  Mio. waren mitdem Postbus unterwegs.

InhaltVorwort des Vorstands . 2Vorwort der Aufsichtsratsvorsitzenden . 6Miteinander. Zukunft verbinden. . 12Corporate Governance Bericht . 50Mehr Güterauf die Schiene34Geschäftsbericht 2021ÖBB-Holding AGMiteinander.Zukunftverbinden.Konzernlagebericht. 60A. Struktur und Beteiligungen . 60B. Rahmenbedingungen und Marktumfeld . 62C. Wirtschafts- und Prognosebericht. 77D. Nichtfinanzielle Leistungsindikatoren. 106E. Chancen- und Risikobericht . 121F. Anmerkungen zum Lagebericht . 128Konzernabschluss . 132Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung 2021. 132Konzern-Gesamtergebnisrechnung 2021 . 133Konzern-Bilanz per 31.12.2021 . 134Konzern-Geldflussrechnung 2021 . 135Aufstellung der Veränderungdes Konzern-Eigenkapitals 2021 . 136Erläuterungen zum Konzernabschluss per 31.12.2021 . 137A. Grundlagen und Rechnungslegungsmethoden. 137B. Erläuterungen zur Konzern-Bilanz undKonzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung . 162C. Sonstige Angaben zum Konzernabschluss. 190Bestätigungsvermerk. 224HEUTE. FÜR MORGEN. FÜR UNS.COVER. Die ÖBB nehmenjährlich rund 2.700 Mitarbeiter:innen auf. Dementsprechend haben wir dieses Jahrden Generationenwechselzum Thema unseres Coversund unserer TrennseitengemachtDIGITAL. Den Geschäftsbericht 2021 als PDFund Videos zum Themafinden Sie unter:konzern.oebb.at/gb2021Glossar . 228Impressum . 231Die digitaleRevolution der Bahn12

»Unser Plan für 2021war von Beginn andie Rückkehr zueinem Ergebnis aufVorkrisenniveau. Dasist trotz der schwierigenAusgangslage auchgelungen.«Ing. Mag. (FH) Andreas Matthä (CEO),Mag. Arnold Schiefer (CFO)

3Vorstand & AufsichtsratÖBB GESCHÄFTSBERICHT 2021Vorwort des VorstandsDanke an unsere Mitarbeiter:innen! 2021 – das zweite Jahr der weltweitenCoronapandemie – stellte die ÖBB erneut vor außergewöhnliche Herausforderungen:Mehrfache Lockdowns, Homeoffice für viele Österreicher:innen und Personalengpässeaufgrund hoher Infektionszahlen erforderten im Laufe des Jahres wiederholteAnpassungen der Unternehmensziele. Zu bewältigen waren diese Kurskorrekturen nurdank der Flexibilität und des Einsatzes unserer Mitarbeiter:innen. Dafür sagen wir„Danke“.Auf das schwierige Jahr 2020 folgte mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr erneut eine wirtschaftlichherausfordernde Zeit. Zwar war vorhersehbar, dass uns die Folgen der Pandemie auch noch im Jahr2021 beschäftigen werden, ein weiteres volles Krisenjahr mit mehreren Lockdowns und den damitverbundenen Auswirkungen sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr hatten wirallerdings ebenso wenig eingeplant wie viele andere Unternehmen auch. Im Unterschied zum erstenJahr der Pandemie, das wir noch ohne jegliche Handlungsanleitung bestreiten mussten, konnten wir2021 jedoch bereits auf Erfahrungen aus dem Vorjahr zurückgreifen. Und so war klar, dass wir 2021auch unsere wirtschaftlichen Ziele wieder höher ansetzen können. Während 2020 das Unternehmenszielaufgrund der Pandemie noch eine „schwarze Null“ war, war unser Plan für 2021 daher von Beginn an dieRückkehr zu einem stabilen Ergebnis auf Vorkrisenniveau. Und das ist trotz der schwierigen Ausgangslageauch gelungen!ÖBB auch in der Krise stabilDank dieser klaren Zielsetzung und den damit verbundenen internen und externen Maßnahmenkonnten wir das Geschäftsjahr 2021 mit einem Konzern-EBT (IFRS) von 170 Millionen Euro erfolgreichabschließen. Zentral dabei ist, dass wir mit diesem Ergebnis zu unserem langfristigen Budget- beziehungsweise Ergebnispfad zurückgekehrt sind und so unsere Glaubwürdigkeit auf dem Kapitalmarkt unddie damit verbundene Investitionsfähigkeit absichern konnten.Wie bereits in der Vergangenheit haben zum Gesamtergebnis des ÖBB-Konzerns erneut alle Teilkonzerne sowie deren Tochterunternehmen ihren Beitrag geleistet. So schloss die ÖBB-Infrastruktur AG dasGeschäftsjahr mit einem EBT von knapp 11 Millionen Euro ab, während die Absatzgesellschaften im Personen- und Güterkehr einen Vorsteuergewinn von insgesamt 211 Millionen Euro erwirtschaften konnten.

4Vorstand & Aufsichtsrat»Neben unserer zentralenAufgabe als größte Mobilitätsanbieter verstehen sich dieÖBB auch als Investitions- undInnovationstreiber und damitals wichtige Impulsgeber für dieheimische Wirtschaft.«Konkret erzielte die ÖBB-Personenverkehr AG 2021ein EBT von 89,3 Millionen Euro und die Rail CargoAustria lieferte ein EBT von 121,6 Millionen Euro.Während der Teilkonzern ÖBB-Infrastruktur damitsein EBT im Vergleich zu 2020 erwartungsgemäßstabil halten konnte, ist der Vorsteuergewinn imÖBB Personen- und im ÖBB Güterverkehr gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen. Die Ergebnisverbesserung im Personenverkehrsbereich fußt aufeiner Reduktion des Gesamtaufwandes und auf zusätzlichen Bestellungen seitens des Bundes. Die substanzielle Steigerung des Vorsteuergewinns der Güterverkehrssparte der ÖBB ist demgegenüber auf deutlichfairere Wettbewerbsbedingungen zurückzuführen, die durch eine – leider zeitlich befristete – Absenkungder Schienenmaut (Infrastrukturbenutzungsentgelt – IBE) sowie eine deutliche Reduktion der Steuer aufBahnstrom ermöglicht wurden. Neben diesen beiden Maßnahmen wirkten sich auch die Bestellungen imPersonenverkehr für den gesamten Sektor positiv aus.Impulsgeber für Wirtschaft und ArbeitsmarktNeben der zentralen Aufgabe als größter Mobilitätsanbieter Menschen und Güter sicher und pünktlich anihr jeweiliges Ziel zu bringen und dabei erfolgreich zu wirtschaften, verstehen sich die ÖBB auch als Investitions- und Innovationstreiber und damit als wichtiger Impulsgeber für die heimische Wirtschaft. Diedrei Teilkonzerne der ÖBB haben demnach 2021 erneut Milliarden in die Weiterentwicklung des StandortsÖsterreich investiert. Konkret investierte die ÖBB Infrastruktur über 2,8 Milliarden Euro in den weiterenAusbau und die Modernisierung des heimischen Bahnnetzes sowie die Digitalisierung des Bahnbetriebs,gefolgt vom Teilkonzern Personenverkehr, der über 1,4 Milliarden Euro für modernes Wagenmaterial undVerbesserungen im Bereich des Kundenservice aufwendete. Die Rail Cargo Austria investierte knapp 111Millionen Euro, wobei die Mittel im Wesentlichenin die Aufrüstung beziehungsweise Digitalisierungdes Wagenmaterials geflossen sind.Zudem zählte der ÖBB-Konzern mit knapp42.000 Mitarbeiter:innen und gesamt rund2.000 Lehrlingen auch 2021 zu den größten undwichtigsten Arbeitgebern und Ausbildungsbetrieben Österreichs. So wie im ersten Pandemiejahrgalt es auch im letzten Jahr Kündigungen aufgrundpandemiebedingter wirtschaftlicher Zwänge zuvermeiden. Gleichzeitig wurde der notwendigeGenerationenwandel – mit rund 13.000 Neuaufnahmen bis 2026 – wie geplant fortgeführt, umdie Einsatzfähigkeit des Unternehmens in gewohnter Qualität garantieren zu können. Pandemiegetrieben wurde im vergangenen Jahr auch dieArbeitsorganisation modernisiert: Durch den Ausbau von Telearbeit und einer zeitlichen Flexibilisierung – Stichwort Gleitzeit – sollten Arbeitsqualitätund -produktivität erhöht und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gesteigertING. MAG. (FH) ANDREAS MATTHÄ. Vorstandsvorsitzender (CEO) werden. Ein Blick auf die Ergebnisse der jüngsten

Vorstand & Aufsichtsrat5Mitarbeiter:innenbefragung zeigt, dass der ersteSchritt dazu geglückt ist: Sowohl im BereichIdentifikation mit dem Unternehmen als auch imBereich der Arbeitszufriedenheit wurden Bestwerte erzielt.Trotz anhaltender Krisen Kurs haltenVor uns liegen erneut herausfordernde Monate.Die Coronapandemie beschäftigt uns aufgrundder im ersten Quartal 2022 enorm hohen Infektionszahlen stärker als erwartet. Hinzu kommenwirtschaftliche Verwerfungen aufgrund des Krieges in der Ukraine, die sich – abgesehen von unfassbarem menschlichem Leid – nicht nur auf dieEntwicklung des Schienengüterverkehrs negativauswirken werden, sondern auch auf die gesamMAG. ARNOLD SCHIEFER. Mitglied des Vorstands (CFO)te Wirtschaft, insbesondere die Bauwirtschaft.Und dann wäre da noch die Klimakrise! EineKrise, die uns definitiv mehr beschäftigen sollte, als sie es im Moment tut. Die Situation hat sich in denvergangenen beiden Jahren – vor allem im Verkehrssektor – nämlich leider keineswegs verbessert. DerKlimawandel wurde von den genannten anderen Krisen nur aus den Schlagzeilen verdrängt! So sehr diesnachvollziehbar ist, so sehr liegt es an uns als größtem Mobilitätsunternehmen des Landes, dass wir auchdiesem Bereich unsere volle Aufmerksamkeit widmen und mit der Stärke unseres Unternehmens einenWandel im Verkehrssektor herbeiführen. Denn eines steht außer Zweifel: Ohne weiteren Ausbau der Bahn,ohne deutliche Steigerung der Kapazitäten werden wir unsere Klimaschutzziele im Verkehrsbereich nichterreichen können.Wir sehen demnach eine unserer zentralen Aufgaben darin, an unseren Ausbauplänen festzuhalten, damitwir nach diesen beiden Krisen nicht tiefer in die nächste Krise schlittern. Denn letztendlich ist es für künftige Generationen substanziell, dass wir, dass die Bahnunternehmen danach noch stärker sein werden, alssie es vor der Pandemie und vor dem Ukrainekrieg gewesen sind.In diesem Sinne zum Abschluss zweierlei: Erstens „Danke“ an unsere Kund:innen für die Treue im zweitenPandemiejahr. Und noch einmal ein herzliches „Danke“ an alle Mitarbeiter:innen für die im letzten Jahrerbrachte Leistung. Und zweitens eine Bitte an alle Kolleg:innen: Stellen wir uns gemeinsam – mit Optimismus und erneut mit voller Kraft – den vor uns liegenden Aufgaben! Denn wenn wir auch weiterhinnach unserem Motto „Wir vor Ich“ handeln, können wir zuversichtlich sein, dass wir auch die vor unsliegenden Herausforderungen gemeinsam bewältigen werden.Ing. Mag. (FH) Andreas MatthäMag. Arnold SchieferVorstandsvorsitzenderÖBB-Holding AGMitglied des VorstandsÖBB-Holding AG

6Vorstand & AufsichtsratGENERATIONENWECHSEL.Staffelübergabe bei derÖBB-Personenverkehr AG:Zugbegleiterin Gerhild Lexlübergibt das Diensthandyfür Verkauf und Validierungder Tickets an ihren KollegenStefan Kurzenkirchner»Es geht um das gemeinsameund globale Ziel, denKlimawandel rechtzeitigzu stoppen. Die Bahn kanndazu einen wesentlichenBeitrag leisten.«Mag.a Andrea Reithmayer,Vorsitzende des Aufsichtsrats der ÖBB-Holding AG

7Liebe Leserin, lieber Leser. Die ÖBBund ihre Mitarbeiter:innen haben auch imzweiten Coronajahr Österreich am Laufengehalten. Die Krisenfestigkeit zeigt sichauch im Ukrainekonflikt durch ein humanitäres Gesicht. Eine Leistung, die Respekt und Dank verdient und die für dieZukunft zuversichtlich stimmt.Vor einem Jahr war die Hoffnung groß, dass dieCOVID-19-Pandemie bald vorbei sein würde.Doch leider hat uns das Virus mit all seinen Auswirkungen auf unser privates, gesellschaftlichesund wirtschaftliches Leben nach wie vor im Griff.Umso wichtiger ist es mir, vor allem anderenden ÖBB-Mitarbeiter:innen für ihren Einsatz imabgelaufenen Geschäftsjahr zu danken und ihreLeistung hier an die erste Stelle zu setzen. IhnenMAG.A ANDREA REITHMAYER.ist es zu verdanken, dass die ÖBB – in der öffentVorsitzende des Aufsichtsrats der ÖBB-Holding AGlichen Wahrnehmung vielleicht als zu selbstverständlich genommen – ihren Auftrag als Mobilitätsdienstleister vollumfänglich erfüllen konnten und aufgrund der Pandemie kein Zug und kein Busausgefallen sind.Das, obwohl fast 80 Prozent der Mitarbeiter:innen der ÖBB tagtäglich Kontakt mit anderen Menschenhaben und sich damit auch dem Risiko einer Ansteckung aussetzen. Nicht nur das. Die Umsetzung derbehördlichen Schutzmaßnahmen, insbesondere die Einhaltung der Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln, war eine zusätzliche Aufgabe, die nicht bei allen Fahrgästen auf Verständnis stieß. VerbaleAnfeindungen und sogar körperliche Übergriffe stellten für die betroffenen Mitarbeiter:innen eine extremherausfordernde Situation dar.Pandemie und KriegsgeschehenAm Anfang des dritten Coronajahr erschütterte die Welt der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine –eine unvorstellbare humanitäre Katastrophe. Die Bahnen, so auch die ÖBB, unterstützen die Geflüchteten,um sicher aus dem Kriegsgebiet zu gelangen, versorgen sie bei der Ankunft und betreuen sie gemeinsammit Hilfsorganisationen – das ist neben der Aufrechterhaltung des Regelverkehrs nicht nur einelogistische Höchstleistung, sondern zeigt einmal mehr auch das humanitäre Gesicht der ÖBB Familie.Die Folgen der Pandemie und des Kriegsgeschehens wirken sich neben all dem Leid der betroffenenMenschen auch auf den freien Warenverkehr, die Ressourcenverfügbarkeit und die Weltmarktpreise aus.Die ÖBB haben gute Grundlagen, sich diesen Herausforderungen erfolgreich zu stellen. Dazu zählt nichtnur das laufende Effizienzprogramm, sondern auch eine vorausschauende Energie- und Beschaffungspolitik, die Abhängigkeiten soweit als möglich hintanstellen kann. Natürlich gibt es noch einiges zutun. Die ÖBB sind jedoch auf einem guten Weg und präsentieren sich heute als ein moderner Providervon Basisinfrastruktur für die Menschen und die Wirtschaft in diesem Land. Die ÖBB halten Österreichtatsächlich am Laufen und tun dies in einer Qualität, die auch im internationalen Vergleich vorbildlich ist.Die ÖBB sind sich dabei stets ihrer Verantwortung gegenüber der Republik Österreich als EigentümerinVorstand & AufsichtsratVorwort derAufsichtsratsvorsitzenden

8Vorstand & Aufsichtsratbewusst und gehen mit dieser sehr sorgsam um. So ist es gelungen, auch im zweiten Coronajahrkonzernweit eine positive Bilanz zu erzielen.Im Personenverkehr gut und sicher unterwegsZwar konnte das Rekordergebnis von 2019 nicht erreicht werden, die Zuwächse im Personenverkehr2021 stimmen jedoch zuversichtlich. Das Plus bestätigt, dass die ÖBB trotz der hochinfektiösen Virusvariante Omikron ihre Kund:innen überzeugen konnten, dass Bahn und Bus sichere Transportmittel sind.Besonders erfreulich war und ist die Entwicklung im Nachtzugverkehr. Mit der Entscheidung für diesesSegment hat das Management der ÖBB strategischen Weitblick und wirtschaftlichen Mut bewiesen.Der Erfolg des eigenwirtschaftlich geführten Nightjets bestätigt zudem, dass sich die ÖBB auch auf demfreien Markt behaupten können. Das wird umso wichtiger sein, als der Nightjet nicht nur Mitbewerberin Nachtzugverkehr anlockt. Die Liberalisierung im Personenverkehr wird in den nächsten Jahren insgesamt den Wettbewerb intensivieren. Es gilt, die ÖBB vor diesem Hintergrund in ihrer enorm wichtigenBedeutung für den österreichischen Bahnbetrieb entsprechend gut zu positionieren.Das Highlight 2021 war die Einführung des Klimatickets. Damit wurde eine enorm wichtige Maßnahmezur weiteren Attraktivierung des öffentlichen Verkehrsangebots, so auch der Schiene, umgesetzt. Andererseits stellen die damit einhergehenden Einnahmenverluste für die ÖBB vor eine ökonomische Herausforderung. Neben der vor der Politik zugesicherten Kompensation müssen die ÖBB alles daran setzen,noch effizienter und noch effektiver zu werden.Verzerrte WettbewerbsbedingungenAuch im Güterverkehr waren die transportierten Mengen im abgelaufenen Jahr auf einem erfreulichenNiveau. Und das, obwohl sich die Rail Cargo nicht nur auf der Schiene gegen eine große Zahl an Mitbewerbern behaupten muss. Nach wie vor ist die Bahn aufgrund verzerrter Wettbewerbsbedingungengegenüber der Straße im Nachteil. Hier bleibt zu hoffen, dass die Einführung einer CO2-Bepreisung dieGleise zumindest ein Stück weiter in Richtung der angestrebten Verlagerung des Verkehrs rückt. Darüberhinaus braucht es jedoch noch mehr Unterstützung für den gesamten Schienengüterverkehr durch diePolitik – und das nicht nur auf nationaler, sondern auch auf internationaler Ebene. Schließlich geht esum das gemeinsame und globale Ziel, den Klimawandel rechtzeitig zu stoppen.Die Bahn kann dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Umso wichtiger ist es daher, dass die ÖBB allesdaran setzen, noch mehr Menschen und Unternehmen von der Schiene zu überzeugen. Das kann sie vorallem mit Service und Innovation. Innovativen Logistikangeboten und der Digitalisierung kommt dabeieine zentrale Rolle zu. Besonders und stellvertretend erwähnen möchte ich hier die Digitale Automatische Kupplung, die die Produktivität im Güterverkehr auf der Schiene massiv steigern wird, aber auchTransportlogistiken, wie den ÖBB-Mobiler, der speziell für – auch nationale – Industrieunternehmen ohneAnschlussbahnen attraktive und umweltfreundliche Angebote schafft, ermöglicht er doch Door-to-DoorLieferungen im Zusammenwirken mit dem Straßengüterverkehr.Die ÖBB sind bereits jetzt das größte Klimaschutzunternehmen Österreichs, haben darüber hinaus jedocheinen ambitionierten Dekarbonisierungspfad definiert. Dieser sieht einen klimaneutralen Mobilitätssektor für 2030 vor und das Erreichen derCO2-Neutralität im Konzern für den Zeitraum 2040»Es geht um das gemeinsame und bis2050. Der Aufsichtsrat unterstützt diese Ziele,globale Ziel, den Klimawandeldie nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengungrechtzeitig zu stoppen. Die Bahn erreicht werden können, in hohem Ausmaß.kann dazu einen wesentlichenBeitrag leisten.«

»Nach wie vor ist die Bahnaufgrund verzerrter Wettbewerbsbedingungen gegenüber derStraße im Nachteil. Hier brauchtes noch mehr Unterstützung durchdie Politik.«Als attraktiver Arbeitgeber positionierenEine ebenso große Herausforderung stellt derGenerationenwandel dar. Tausende Mitarbeiter:innen werden in den nächsten Jahren altersbedingtaus den ÖBB ausscheiden. Im Gegenzug werdenTausende Mitarbeiter:innen neu in das Unternehmen eintreten. Auf der einen Seite geht esalso darum, wichtiges Wissen und Erfahrung imUnternehmen zu behalten, auf der anderen Seite, motivierte und qualifizierte Menschen für die ÖBB zubegeistern. In Zeiten, in denen Unternehmen quer durch alle Branchen händeringend nach Fachkräftensuchen, keine leichte Aufgabe.Erfolgsentscheidend wird sein, wie gut es den ÖBB gelingt, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls vorhanden. Die ÖBB sind ein sicherer und verlässlicherArbeitgeber mit einer Vielzahl an interessanten und hochwertigen Jobprofilen. Zudem sind Jobs bei denÖBB echte Green Jobs, die Sinn stiften. Kaum ein anderes Unternehmen bietet die Möglichkeit, sich derart aktiv für den Klimaschutz und für eine nachhaltige Zukunft einzusetzen.In diesem Sinne bedanke ich mich beim Vorstand und bei allen Mitarbeiter:innen, dass sie die ÖBB auchim vergangenen Jahr so gut auf Schiene gehalten haben. Ich bin überzeugt, dass wir in eine spannendeund erfolgreiche Zukunft steuern.Mag.a Andrea ReithmayerVorsitzende des Aufsichtsratsder ÖBB-Holding AGVorstand & Aufsichtsrat9

GENERATIONENWECHSELStaffelübergabe beider ÖBB-Infrastruktur AGStaplerfahrer Karl Weiserübergibt die Fernsteuerungdes Staplers an seinenKollegen Marco Semler

Miteinander. Zukunft verbinden.

12Miteinander. Zukunft verbinden.DieERFINDERGEIST SEIT1804. Die Innovationskraft hat die Bahn seitjeher begleitet und diesezum klimafreundlichstenund energieeffizientestenVerkehrsträger gemacht,der zugleich sicher,komfortabel und serviceorientiert arbeitet

13digitale Revolution der BahnFür eine erfolgreicheVerlagerung des Verkehrs auf dieSchiene braucht es auch neueTechnologien und Innovationen.Um die erwarteten Zuwächseim Personen- und Güterverkehrbewältigen zu können, spielt dieDigitalisierung eine zentrale Rolle.IMiteinander.Zukunft verbinden.INNOVATION.m Jahr 1804 konstruierte der britische Ingenieur RichardTrevithick erstmals eine Dampfmaschine mit einem beräderten Untersatz, der auf Schienen fuhr und in einem Eisenwerk in Wales eingesetzt wurde. Die erste Eisenbahn, die auchMenschen transportierte, war die „Locomotion“ von GeorgeStephenson, die ab 1825 die englischen Städte Stockton undDarlington miteinander verband.Damals noch als „Teufelswerk“ gefürchtet, konnte sichdie Bahn trotzdem durchsetzen. Heute, fast 200 Jahre später,ist das System Bahn moderner denn je und liefert die vielleichtwichtigste Lösung im globalen Kampf gegen den Klimawandelund seine Folgen.Grundlage dafür ist die Innovationskraft, die die Bahn seitjeher begleitet und diese zum klimafreundlichsten und energieeffizientesten Verkehrsträger macht – vor allem in Österreich,das nicht nur über eine weltweit führende innovative Bahnindustrie verfügt. Kaum ein anderes Land hat die Elektrifizierung der Bahn – die zweite „Revolution“ in deren Innovationsgeschichte – derart nachhaltig umgesetzt. Aktuell sind mehrals 73 Prozent der Bahnstrecken der ÖBB elektrifiziert, auf welchen über 90 Prozent der Verkehrsleistungen klimaschonendabgewickelt werden. Weitere Elektrifizierungsausbauvorhabendes Netzes in Verbindung mit Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energie bilden die Grundlage für eine klimaneutrale ÖBBMobilität.Aufbauend auf dem elektrischen Bahnbetrieb befindenwir uns aktuell in der dritten technologischen Revolution: DieDigitalisierung der Bahn ist die Basis, um Betriebsprozesse undinterne Abläufe zu optimieren, neue Kund:innenbedürfnisse

DIE DIGITALE AUTOMATISCHE KUPPLUNG erfüllt die drei Hauptherausforderungen der Bahn: Steigerung von Kapazität, Produktivität und Qualitätzu erfüllen und ändert maßgeblich die Berufsbilder der Jobsvon morgen.Bedarfsorientierte Innovation –konkrete Herausforderungen adressierenInnerhalb des ÖBB-Konzerns wird grundsätzlich in die BereicheAsset- / Technologie- und digitale Innovationen sowie Produktund Service-Innovationen unterschieden.Aus der ÖBB Technologiestrategie heraus werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte konzipiert, die insbesondere der Ausweitung von Kapazität, Qualität und Produktivitätdienen. Das Rollenverständnis, welches die ÖBB dabei einbringen, ist klar festgelegt: Die Bahnen definieren die konkretenBedarfe sowie die damit verbundenen Forschungs- und Entwicklungserfordernisse und sind Partner bei der Pilotierung vonPrototypen. Die eigentliche Forschungs- und Entwicklungsleis-Innovative, digitale undautomatisierte Technologiensind der Schlüssel, um diegeforderte Verkehrsverlagerungauf die Schiene bewältigen unddie angestrebten Klimazieleerreichen zu können.tung erfolgt durch Universitäten, Industrie und Forschungseinrichtungen mit enger Begleitung durch die ÖBB. Die ÖBB Technologiestrategie 2030 definiert Schwerpunkte in den Bereichenautomatisierte Betriebsführung, Digital Twin, Condition-basedMaintenance, Innovationen im Schienengüterverkehr sowieRegionalbahnthematiken und alternative Antriebe.Die digitale Geschäftsstrategie der ÖBB bestimmt nebenden stakeholder:innenorientierten Zielsetzungen (B2C, B2B undB2E) und damit verbundenen Initiativen auch spezifische Handlungsfelder. Hierzu gehören innovative Ansätze zur Entwicklungsowie Anbindung von smarten Assets in der Fläche als Grundlage für digitale Zwillinge. Dies wird erweitert um die konsequente Ausrichtung auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz fürOptimierung und Automatisierung sowohl im Bahnbetrieb alsauch den unterstützenden Prozessen im Konzern. Hinzu kommtdie Verprobung der Verwendung neuer Technologien wie Extended Reality, Drohnen, Blockchain sowie 3D-Druck.Produkt- und Serviceinnovati

tunnels (BBT) ist erreicht. Die ÖBB und DB präsentieren nach . Eigenkapital 3.244 2.768 2.645 2.529 2.306 Eigenkapitalquote (in %) 9,1 8,4 8,5 8,5 8,1 . war unser Plan für 2021 daher von Beginn an die Rückkehr zu einem stabilen Ergebnis auf Vorkrisenniveau. Und das ist trotz der schwierigen Ausgangslage